Die Gründerzeit

Der Lindenhof um die Jahrhundertwende war ein Stadtteil, in dem die gehobene Mittelklasse wohnte. Neben Beamten, höheren Angestellten und Handwerksmeistern auch viele Arbeiter, die bei Lanz und in der Öl- oder Lackfabrik ihr Brot verdienten.

Etwas steif ging es schon zu auf dem Lindenhof, der von den einen "Kaiser-Wilhelm- Vorstadt", von den anderen, weniger schmeichelhaft "Musebrotverdel" genannt wurde.

Während die gehobenen Kreise ihren Vergnügungen in der Innenstadt im Nationaltheater und in den Häusern wie Casino, Harmonie, Großer Meierhof - um nur einige zu nennen - nachgingen, nicht nur wegen der anspruchsvolleren Veranstaltungen, sondern weil dort in der Fasnachtszeit die "bals en masque" stattfanden, fristete der Lindenhof mehr oder weniger ein Mauerblümchendasein.

So war es nur zu verständlich, wenn sich auf dem Lindenhof Männer regten, welche diesem stiefmütterlichen Dasein ein Ende bereiten wollten. Ecke Rheindamm- und Eichelsheimer Straße betrieb damals Heiner Schreiner die Gaststätte "Zum stolzen Eck" mit einem äußerst munteren Stammtisch. Und dieser Stammtisch gründete 1904 den Karnevalverein "Die Stolzeck-Narren".

Erster Präsident war der Mann mit dem Steuermannspatent, Alfred Knauff, wegen seiner Trink-festigkeit "Dorschdl" genannt. Heiterkeit und Mutterwitz waren das Grundkapital der neugegründeten "Stolzeneck-Narren. Der Rahmen des Stammtischvereins wurde bald gesprengt und 1907 wurde beschlossen den Verein in "Große Karneval-Gesellschaft Lindenhof" umzubenennen. Nach dem ersten Weltkrieg nahmen "Dorschdls" Mannen und Frauen den Fasnachtsbetrieb wieder auf und die Karnevalsgesellschaft nahm ihren Aufschwung.

Der Verein bekommt seinen Namen

Unter der Präsidentschaft von Alfred Knauff, der dem Verein von 1907 bis 1931 vorstand, gelangten die Lindenhöfer zu bemerkenswerten Erfolgen. Wesentliche äußere Zeichen des Wiederaufbaues waren die Gründung einer Garde mit kolossaler Bärenmütze und Uniformen in den Farben der Gesellschaft.
Jupp Holz, ein Mann mit guten Ideen, der 1931 Alfred Knauff abgelöst hatte, hatte den Einfall für den zugkräftigen "Markennamen" GROKAGELI. Bald gab es dann die erste Prinzessin der "Grokageli" : Ruth Müller als "Wasserburggräfin Ruth I. von Bellegrabien".

Die Nachkriegszeit

Der zweite Weltkrieg mit all seinen Zerstörungen bedeutete eine wesentlich schärfere Zäsur als der Erste.

Willi Wolf stellte 1946 mit einer Schar Getreuer die "Grokageli" wieder auf die Beine. Die Garde- Uniformen und der Großteil des Ausstattungsfundus waren zerstört. Saalnot zwang dazu, Sitzungen außerhalb vom Lindenhof durchzuführen. Mitten in die rasch voranschreitende Wiederaufbauarbeit fiel unerwartet der Tod Willi Wolfs. Der bisherige Wirtschaftsminister Rudi Sauter sprang in die Bresche bis er das Amt an Paul Wortmann übergab. 1956 übernahm Willi Frosch das Amt des Präsidenten und Sitzungsleiters, das er bis 1964 inne hatte. Die Grokageli erlebte eine Blüte und im Jahr 1965 wurde das Präsidium dem bärtigen Hajo Grimm übergeben, der sein Amt schwungvoll bis 1970 führte. Trotz der Einhaltung alter Traditionen und dem Augenmerk auf echte Volksfasnacht wurden moderne Formen in das fasnachtliche Geschehen übernommen. Erwin Ziehm übernahm das Amt 1970. Zur Fasnacht 1975 schwang Erich Groh das Zepter der "Grokageli". Mit dem Wachsen der Gesellschaft war 1955 auch erstmals die in den Mannheimer Stadtfarben uniformierte Funkengarde ins Leben getreten.

Das Jubiläumsjahr 1982 begann mit der Inthronisation der Stadtprinzessin Annette I. Annette regierte mit Witz und Humor und brachte alles mit, was man von einer Jubiläums- und Stadtprinzessin erwartete.

1983 hob der Vorstand das inzwischen schon traditionelle Rheinwiesenfest aus der Taufe. Im Jahre 1988 übergab Helmut Fecker das Zepter an seinen Vizepräsidenten Horst Wittig. 1991 übernahm Adolf Luksch die Geschicke des Vereins.


Moderne Zeiten

1991 hatten alle Fasnachter sich für die Kampagne gerüstet und mussten wegen des Golfkrieges sämtliche Veranstaltungen absagen, was große Löcher in die Kassen riss. Die Stadt Mannheim gab Ende Mai des gleichen Jahres den Karnevalsvereinen die Gelegenheit, die stark strapazierten Kassen durch ein kurzfristig geplantes Stadtfest wieder aufzufrischen. Dieses Stadtfest wird seitdem immer Ende Mai durchgeführt.

In Absprache mit dem Seniorenbüro der Stadt Mannheim verlegte die Grokageli 1995 ihre Senioren-Sitzung in die Rheingoldhalle. 1993 übernahm Reinhold Unangst den Verein. Helmut Fecker übernahm zur gleichen Zeit noch einmal das Amt des Senatspräsidenten.

1995 wurde das Amt des Präsidenten an Karl Lorenz weitergeben. Im gleichen Jahr gab es eine große Veränderung auf dem Lindenhof. Der Bau der "B-Linie" verwandelte den Lindenhof in eine einzige Großbaustelle. Nach Abschluss der Arbeiten am neu gestalteten Lindenhof verlegte der Verein 1996 sein Domizil in die Windeckstraße 79.

Mit großer Spannung wurde die Kampagne 1996/97 erwartet. Im November fand die Inthronisation von Mirjam Kraushaar als Stadtprinzessin und Jubiläumsprinzessin der Grokageli "Mirjam I." statt. Ihr wurde im Januar als Alois Baumann als Stadtprinz "Alois I." zur Seite gestellt. Die beiden gaben ein tolles Prinzenpaar ab.

Bei der Jahreshauptversammlung 97 gab Helmut Fecker das Amt des Senatspräsidenten an Hans Schmidt weiter. 1999 wurde der Feurio-Import Alois Baumann neuer Sitzungspräsident.